Licht verbindet

Die Max Planck School of Photonics (MPSP) definiert ein deutschlandweites Expertennetzwerk, um als interdisziplinäre, orts- und einrichtungsübergreifende Graduiertenschule national und international die besten Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler zu gewinnen. Im Interview spricht Andreas Tünnermann, Lehrstuhlinhaber an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Optik und Feinmechanik IOF und Sprecher der MPSP, über das Curriculum der Schulen, welche auf eine exzellente, forschungsnahe Ausbildung fokussiert und damit Perspektiven für die Absolventen in Wissenschaft und Wirtschaft eröffnet.

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Andreas Tünnermann

Die Max Planck School of Photonics bringt Wissenschaftler von sieben Forschungseinrichtungen zusammen –wie haben sich diese Partner gefunden?

Andreas Tünnermann: Mit Hilfe von Zitations- und Literaturdatenbanken haben wir analysiert, welche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Deutschland die größte Sichtbarkeit auf ihrem Fachgebiet haben. So sind die sieben Standorte der MPSP herausgekommen. Jeder einzelne Standort steht für herausragende Kolleginnen und Kollegen mit internationalem Renommee für eine bestimmte Teildisziplin der Photonik.

Drei Standorte sind hervorgehoben – Jena, Erlangen, Karlsruhe. Wie wird die Vernetzung für die Studierenden funktionieren?

Andreas Tünnermann: Die School bietet ein sehr forschungsnahes Promotionsprogramm an, aber auch die Möglichkeit, einen integrierten Master in der Photonik abzuschließen. Für die Studierenden in der Masterphase können wir auf etablierte Studiengänge an den drei Standorten Erlangen, Karlsruhe und Jena aufbauen. Diese sind sehr eng miteinander vernetzt. Zum Beispiel können wechselseitig Vorlesungen gehört werden, zum Teil als Blockveranstaltungen oder Webinare. Für Studierende, die direkt in die Promotionsphase einsteigen, planen wir vergleichbare Veranstaltungen. Ein wichtiger Baustein ist die Doppelbetreuung in der Promotionsphase. Diese sieht neben der Forschung in der Arbeitsgruppe des Erstbetreuers vor, dass die Studierenden einige Monate lang auch bei ihrem Zweitbetreuer im Labor mitarbeiten.

Wie werden noch Mehrwerte geschaffen?

Andreas Tünnermann: Diese entstehen über die große Bandbreite des Forschungsthemas Photonik. Unsere Fellows erforschen die Kontrolle von Licht über alle Skalen, entwickeln neue wissenschaftliche Methoden und nutzen diese für die Untersuchung und Entwicklung von Materialien oder Strukturen. Wir wollen Möglichkeiten schaffen, sowohl sehr kurzwelliges als auch sehr langwelliges Licht zu kontrollieren – von der Röntgen- bis zur Mikrowellenstrahlung. Dazu sind unter anderem die Erforschung und Entwicklung passender Optiken notwendig. Die Lösungen dafür werden standortübergreifend im Netzwerk entstehen.

Wie kam es zur führende Rolle des Fraunhofer IOF in der Max Planck School of Photonics?

Andreas Tünnermann: Licht ist ein universelles Werkzeug und die Photonik aufgrund ihrer Interdisziplinarität und Funktion als „Enabling technology“ gut geeignet für das Konzept der Max Planck Schools. Außerdem bietet sie den Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern visionäre Zielstellungen. Photonik ist sowohl in der Wirtschaft als auch in der Wissenschaft allgegenwärtig. In den letzten Jahren sind sieben Nobelpreise mit sehr engem Bezug zur Photonik verliehen worden. Darüber hinaus ist die Photonik aber auch eine angewandte Forschungsrichtung mit hoher gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Bedeutung. So kam ich ins Spiel. Es war ein schlüssiger Schritt, dass der Sprecher, der das Thema zusammen mit dem Max-Planck-Kollegen Gerd Leuchs vertritt, jemand sein sollte, der in der Community extrem gut vernetzt ist – sowohl in der Wissenschaft als auch in der Wirtschaft.

Mit wie vielen Studierenden rechnen Sie in den kommenden Jahren?

Andreas Tünnermann: In der Aufbauphase werden pro Jahr 20 Studierende in das integrierte Master-Programm und etwa 40 Studierende direkt in das Promotionsprogramm der School aufgenommen. Für den stabilen Zustand nach der Aufbauphase rechnen wir mit rund 40 Masterstudierende und etwa 120 Promovierenden.

Im August soll der Studienplan stehen. Was können Sie schon dazu sagen?

Andreas Tünnermann: Alle Beteiligten im Netzwerk bringen dazu ihre Erfahrung und Expertise ein. Das heißt, wir bauen auf Bestehendem auf und ergänzen dieses durch Bausteine, die einen Mehrwert für die Studierenden an der Max Planck School bieten. So wird es für die Studierenden in der Masterphase ein besonderes Betreuungssystem geben. Dieses ist angelehnt an das britische bzw. US-amerikanische System mit Tutoren, die Studiengruppen sehr eng mitbetreuen. Dies ist etwas, das sich bei den großen Jahrgängen im normalen Universitätsbetrieb nicht realisieren lässt. Zudem planen wir Spezialvorlesungen, die Wissen zusätzlich vertiefen, aber zugleich in das Studienprogramm eingebunden sind, um die Arbeitsbelastung angemessen zu halten.

Wenn im Herbst die Bewerbungsphase startet -, was wird den Bewerbern angeboten, damit sie sich für die Max Planck School entscheiden?

Andreas Tünnermann: Wir haben schon heute einen detaillierten Studienplan. Er wird den Studierenden die Inhalte und die Mehrwerte der School aufzeigen. Wichtig wird sein, Studierende aus unterschiedlichen Kulturkreisen und aus sehr unterschiedlichen Studienhintergründen zusammenbringen können.

Wie werden die Studierenden verteilt? Bewerbe ich mich beispielsweise ganz konkret für einen Ort oder erfolgt anhand der Bewerbung ein Matching?

Andreas Tünnermann: Sowohl als auch: Studierende für die Masterphase können Präferenzen formulieren. Diese Wünsche werden unter Einbindung der Studienkoordinatoren an den drei Standorten sowie der Max Planck School Koordinatoren berücksichtigt, wobei als zusätzliche Kriterien individuelle Stärken und thematische Interessen in die Verteilung auf die drei Hauptstandorte eingehen. Studierende, die direkt in die Promotionsphase einsteigen, können sich auf Promotionsthemen bewerben, die von den einzelnen Fellows im Vorfeld definiert wurden. Die Bewerbungen gehen über ein Bewerbungsportal schriftlich ein. Nach der ersten Sichtung werden Interviews geführt. Danach laden wir zu sogenannten Matching Days ein.

Ist schon abzusehen, welche Projekte für die Studierenden innerhalb der School besonders interessant sein könnten?

Andreas Tünnermann: Das werden disziplinübergreifende Projekte sein. Dazu zählen etwa die Entwicklung bildgebender Verfahren für die Lebenswissenschaften oder neuer Instrumente zur Erdbeobachtung und zum Umweltmonitoring. Sehr spannend wird auch die Erforschung von Instrumenten und Methoden mit Anwendung in den Quantentechnologien oder zum Nachweis von Gravitationswellen sein, nur um ein paar Beispiele zu nennen.

Was reizt Sie besonders an der Rolle des Sprechers?

Andreas Tünnermann: Wir denken, dass wir mit diesem neuen Instrument der Graduiertenausbildung eine extrem hohe internationale Sichtbarkeit erreichen und gleichzeitig die Vernetzung innerhalb der Community weiter vorantreiben können. Zudem reizt mich die Chance, die Besten der Besten für die Promotion nach Deutschland zu holen und nach der Ausbildung auch in Deutschland zu verankern.

Das Gespräch führte Beate Koch

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